Wirbelsäulenchirurgie/ Neurochirurgie

Wirbelsäulenerkrankungen liegt in der Regel ein zunehmender Funktionsverlust der einzelnen Bewegungssegmente zu Grunde, der altersabhängig ist. Meistens liegt entweder eine Lockerung und damit Überbeweglichkeit von Wirbelkörpern oder eine krankhafte Veränderung anatomischer Strukturen vor. Beide Veränderungen führen zu Schmerzen, die sich unterschiedlich äußern können.

 

Überbeweglichkeit führt in der Regel zu Rückenschmerzen, die zu einer vermehrten Belastung der Wirbelgelenke (Facettenschmerz) oder zu einem vermehrten Verschleiß der Wirbelkörper und der Bandscheibe (Osteochondrose = Arthrose der Wirbelsäule) führen. Der Facettenschmerz tritt eher unter Belastung und der Arthroseschmerz morgens beim Aufstehen auf. Diese Beschwerden können eine Gegenreaktion des Körpers mit vermehrtem Band- und Knochenanbau auslösen, was zu einer Verengung des Wirbelkanals (Stenose) führt. Als Hauptbeschwerden tritt hier eine schmerzhafte Verringerung der Gehstrecke ein.

Die andere Form des Schmerzes wird durch die Erkrankung und den Austritt von Bandscheibengewebe in den Wirbelkanal verursacht. Die mildeste Form dieses Krankheitsbildes ist die Bandscheibenvorwölbung mit noch weitgehend intaktem Faserring. Im Gegensatz dazu ist bei einem Bandscheibenvorfall (BSV) der Faserring eingerissen und es tritt Bandscheibengewebe in den Wirbelkanal aus. Je nach Ausprägung entsteht dann Druck auf die Nervenwurzeln, das Rückenmark oder den Rückenmarksack. Dieser Druck führt zu einer Schmerzausstrahlung in die Beine oder Arme, je nachdem ob der BSV im Bereich der Lenden- oder Halswirbelsäule ist. Bei sehr ausgeprägten Befunden können auch selten Blasen- und Mastdarmstörungen oder Symptome ähnlich einer Querschnittslähmung auftreten.

 

Um eine ganzheitliche medizinische Versorgung der Patienten zu gewährleisten wurde von unseren Ärzten ein 3-Stufen-Konzept entwickelt, das sowohl in der konservativen als auch in der operativen Therapie von Wirbelsäulenerkrankungen gültig ist.

 

1. Akutphase

Medikamentöse Schmerztherapie nimmt akuten Schmerz, schafft bessere Ausgangsbasis für Krankengymnastik und führt zur Abschwellung entzündeter und gereizter Nerven. Bei nicht beherrschbaren Schmerzen und akuten Lähmungen ist eine Operation angezeigt.

 

2. Aufbauphase

Mit Krankengymnastik wird versucht, den Schmerz weiter in den Hintergrund zu drängen. Dauer: in der Regel 6-8 Wochen auch nach operativer Therapie.

 

3. Stabilisierungsphase

Durch aktive, selbst durchgeführte Sportarten (leichtes Gerätetraining, Fahrrad fahren, Schwimmen oder Nordic Walking) wird dem Verschleiß über einen längeren Zeitraum (1-2 Jahre) entgegengewirkt.

 

Ob eine Operation nötig ist, wird individuell und in Abhängigkeit von der Dauer und Art der Beschwerden sowie eventuell bisher erfolglosen Therapien entschieden.