Die Kniechirurgie

Das Kniegelenk ist nicht nur das größte Gelenk des menschlichen Körpers, sondern auch das am stärksten belastete: Schon bei jedem einfachen Schritt lastet das komplette Körpergewicht auf dem "Scharnier" zwischen Ober- und Unterschenkel. Beim Laufen und Springen können bis zu 1,5 Tonnen auf das Gelenk einwirken. Eine komplexe Struktur aus Knochen, Knorpel, Menisken, Sehnen und Bändern macht das Knie belastbar und sorgt dafür, dass es nicht bei jedem Schritt oder Sprung einknickt. Und doch ist das Knie sehr verletzungsanfällig.

 

Diagnostische Arthroskopie

Darunter versteht man das Betrachten eines Gelenkes von innen (z.B. des Kniegelenkes) um eine Diagnose zu stellen.

Die Kniegelenkspiegelung ermöglicht dabei z.B. die Sicht auf die Gelenkflächen des Oberschenkels, Unterschenkels, der Kniescheibe sowie auf die Kreuzbänder und die Menisken.

 

Therapeutische Arthroskopie

Diese wird bei Verletzungen oder degenerativen Veränderungen in Gelenken angewandt. Man kann damit in das Gelenk hineinschauen und geringgradige Knorpeldefekte glätten und/oder Meniskusschäden beheben.

 

Außen- und Innenmeniskus

Die Menisken sind halbmondförmige Knorpelscheiben, die zwischen Ober- und Unterschenkelknochen liegen. Die Menisken sorgen als „Stoßdämpfer“ für bessere Lastverteilung im Kniegelenk. Durch Sportverletzungen oder durch die Ermüdung des Gewebes können Teile des Meniskus reißen, was eine Störung der Funktion des Kniegelenks zur Folge haben kann. Die Knorpelflächen im Knie werden geschädigt und das Gelenk kann blockieren.

Losgelöste Meniskusteile zerstören die empfindliche Knorpeloberfläche des Kniegelenkes und führen so zu Gelenkverschleiß und Arthrose.

Durch eine exakte Diagnostik kann heute ein Meniskusriss frühzeitig erkannt und therapiert werden.

Die operativen Behandlungsmethoden:

  • Meniskusteilentfernung (Meniskusresektion)
  • Meniskusnaht

Besteht ein frischer Riss des Meniskus im kapselnahen gut durchbluteten Bereich oder ist aufgrund des Alters des Patienten der unbedingte Versuch einer Meniskuserhaltung sinnvoll, sollte eine Meniskusnaht durchgeführt werden. Auf diese Weise ist es möglich, den Meniskus und seine Stoßdämpferfunktion zu erhalten.

Eine Meniskusnaht kann auf unterschiedliche Art und Weise durchgeführt werden und richtet sich nach der Größe und der Lokalisation. Der erfahrene Operateur kann unterschiedliche Nahttechniken anwenden. So ist eine optimale Befestigung des gerissenen Meniskus möglich und es können optimale Heilungsbedingungen geschaffen werden. Heute stehen dem Operateur exzellente Meniskusfadenimplantate zur Verfügung, die eine vollständige arthroskopische Naht des Meniskus ermöglichen.

Diese Implantate werden in erster Linie im Bereich des Meniskusanteils verwendet, der der Kniekehle anliegt. Im seitlichen Bereich des Meniskus bzw. im vorderen Bereich (Hinterhorn, Pars intermedia und Vorderhorn) werden auch gerne reine Nahttechniken mit Fäden zur Befestigung angewandt.

Die Heilungsaussichten bei Meniskusverletzungen hängen neben der Lokalisation der Verletzung insbesondere auch von der Größe des Risses ab. Bei Eintreten der Heilung verschwinden die Beschwerden des Patienten innerhalb von 6-8 Wochen.

 

Vorderes Kreuzband (VKB)

Beim Riss des vorderen Kreuzbandes handelt es sich in den meisten Fällen um eine typische Sportverletzung. Das vordere und das hintere Kreuzband bilden die wichtigsten Stabilisatoren des Kniegelenks. Eine Verletzung hat eine erhebliche Instabilität und die Fehlbelastung des Kniegelenks zur Folge. Da die Selbstheilung des Kreuzbandes nur gering ist, gehören Meniskus- und Knorpelschäden bis hin zur Arthrose häufig zu den Folgeschäden.

 

Operationsmethoden

Patellarsehnenplastik

Bis vor wenigen Jahren galt ein Streifen aus der Patellarsehne als das Ersatzmaterial - man spricht von einem Transplantat - der ersten Wahl bei der Kreuzbandersatzoperation. Der Nachteil des Gebrauchs dieser Sehne sind postoperative Probleme (Schmerzen, Taubheitsgefühl) beim Hinknien und sich auf den Knien bewegen.

Semitendinosus-Gracilissehnenplastik

In den letzten Jahre ist man vermehrt dazu übergegangen, anstatt der Patellarsehne die inneren Oberschenkelbeugesehnen, die Semitendinosus- und Gracilissehne als Transplantat zu nehmen. Die Semitendinosussehne kann alleine oder in Kombination mit der Gracilissehne eingesetzt werden. In jüngster Zeit konnte nachgewiesen werden, dass diese Sehnen in der Regel nach der Entnahme binnen einen Jahres wieder nachwachsen. Die postoperativen Probleme, welche oben bei der Patellarsehne beschrieben sind, fallen weitestgehend weg.

Diese Methode wird in der Winghofer Medicum Plus primär angewandt.

 

Hinteres Kreuzband (HKB)

Die Verletzung des hinteren Kreuzbandes ist wesentlich seltener als die des vorderen Kreuzbandes. Wird die Ruptur (der Riss) des hinteren Kreuzbandes in den ersten Tagen nach dem Unfall erkannt, lässt sich in vielen Fällen mit einer sehr einfachen arthroskopischen Operation eine Stabilisierung und ein Ausheilen der gerissenen Bandanteile erreichen (so genannte Augmentationsplastik).

Bei älteren hinteren Kreuzbandverletzungen wird man stets mit einer Operation zurückhaltend sein, da der Patient mit einer hinteren Instabilität wesentlich besser zu Recht kommt, als mit einer vorderen Instabilität.

Nur in sehr ausgeprägten Fällen muss eine hintere Kreuzbandplastik oft kombiniert mit einer zusätzlichen Bandersatzoperation der Seitenbänder durchgeführt werden.

 

Valgisation/Varisation (Korrektur von Achs-Fehlstellungen)

Eine Fehlstellung der Beinachse kann angeboren oder erworben sein. Man unterscheidet das X-Bein (Valgusfehlstellung) und das O-Bein (Varusfehlstellung). Die häufigste erworbene Ursache von Beinachsenfehlstellungen sind Verschleißerscheinungen im inneren oder äußeren Anteil des Kniegelenkes mit Verlust eines Meniskus und des Knorpels. Auch nach Meniskusteilentfernung wegen Rissbildung und Schmerzen, kann es mittel- bis langfristig zu einer fortschreitenden Abnutzung des Knorpels kommen. In beiden Fällen kommt es zur Ausbildung einer Gelenkspaltverschmälerung mit Beinachsenfehlstellung. Am Ende steht Knochen auf Knochen, ohne die Schutzschicht des Knorpels und ohne den Meniskuspuffer. Dabei kommt die O-Bein-Arthrose sehr viel häufiger vor als die X-Bein-Arthrose. Die typischen Symptome sind Belastungsbeschwerden und auch Ruheschmerzen. Durch zunehmende Beinachsenfehlstellung mit "Beinverformung" nehmen die Beschwerden im Verlauf oftmals deutlich zu.

Close wedge-Osteotomie

Bei dieser Methode wird ein Knochenteil des kniegelenknahen Oberschenkelknochens von der Innenseite her keilförmig herausgesägt. Der dadurch entstehende Spalt wird durch Veränderung der Beinachse geschlossen und mit einer (Tomofix-) Platte fixiert.

Open wedge-Osteotomie

Als Open wedge-Osteotomie wird das keilförmige Öffnen des Schienbeinkopfes von der Innenseite und das analoge Fixieren mit Platte und Schrauben bezeichnet. Je nach Ausmaß der Korrektur muss evtl. der hieraus resultierende Spaltraum mit Knochen aufgefüllt werden, den man vom Beckenkamm gewinnen kann.

 

Alle Achskorrekturen der Beine führen wir mit der sog. computerassistierten Navigation durch. Eine Computersoftware tastet über ein spezielles Infrarotsystem die aktuelle Beinachse ab. Und das vor der Operation errechnete Korrekturausmaß, kann während des Eingriffs ständig über das Navigationssystem zuverlässig kontrolliert werden, um ein bestmögliches operatives Ergebnis zu erzielen.

 

Autologe Knochen-/Knorpeltransplantation

(Zylindertransplantation)

Bei der sog. Zylindertransplantation wird der defekte Knorpel durch intakten Knorpel ersetzt. Hierzu wird zunächst der Knorpeldefekt zylinderförmig ausgestanzt um dann durch einen zweiten Knorpel-Knochen-Zylinder mit intakter Knorpeloberfläche ersetzt zu werden. Der Ersatzknorpel wird am gleichen Gelenk von einer Stelle entnommen, die für die Funktion des Gelenks nicht wichtig ist, da sie beispielweise nicht in der (Haupt-)Belastungszone des Gelenkes liegt. Der Patient spürt dabei nicht, dass ihm an dieser Stelle ein Stück Knorpel fehlt. Die Entnahmestelle wird mit dem "defekten" Zylinder weitgehend wieder verschlossen.

Die Knorpel-Knochen-Zylinder haben idealerweise einen Durchmesser von 6-12 mm und werden passgenau in den Defekt platziert.

Postoperativ ist der volle Bewegungsumfang gestattet. Durch die primäre Festigkeit des Zylinders und die Möglichkeit der knöchernen Einheilung ist der Übergang zur Vollbelastung schon nach ca. 4 Wochen je nach Defektgröße möglich.

Vorteil des Verfahrens ist, das es bei kleinen Defekten gelegentlich rein arthroskopisch durchgeführt werden kann, was mit den bekannten Vorteilen verbunden ist. Allerdings sind der „Mosaikplastik“ Grenzen gesetzt: durch die begrenzte Menge an verfügbarem Spenderknorpel lassen sich größere Defekte nicht mehr vollständig wiederherstellen.

 

Autologe Chondrozytentransplantation (ACT)- Knorpelzelltransplantation

Die trägergekoppelte Form der Autologen Knorpelzelltransplantation (ACT) bietet die Möglichkeit auch größere Defektflächen mit Gelenkknorpel unter weitgehender Schonung der Weichteilstrukturen biologisch zu rekonstruieren. Hierbei wird aus einem nichttragenden Gelenkanteil eine winzige Menge Knorpel im Rahmen einer Arthroskopie gewonnen. Die im Knorpel enthaltenen Zellen (Chondrozyten) werden vermehrt, bis die erforderliche Zellzahl (ca. 0,5 - 1 Mio Zellen pro cm2 Defektbereich) erreicht ist. Danach werden die Chondrozyten in ein Trägermaterial eingesät und beginnen mit der Produktion von Knorpelgrundsubstanz. In der Regel ist das so entstandene individuelle Implantat nach genau 3 Wochen bereit zur Transplantation. Im zweiten Schritt wird dann der Defektbereich zunächst von erkranktem Restknorpelgewebe befreit. Anschließend wird ein gleichgroßes Stück des Knorpelimplantats zurechtgeschnitten und in den Defekt eingelegt, mit Fibrinkleber eingeklebt, mit selbstauflösenden(resorbierbaren) Nähten eingenäht oder mit kleinen ebenfalls resorbierbaren Ankerstiften fixiert. In den kommenden Wochen und Monaten produzieren die Knorpelzellen weiter Grundsubstanz. Die Reifung der Matrix dauert etwa 12 Monate – dann ist ein neuer Knorpel entstanden.

 

Patellarsehnenverletzungen

Risse in der Schenkelstreckersehne (Quadrizepssehne) oder der Patellarsehne müssen üblicherweise operativ behandelt werden. Eine konservative Behandlung ist nicht möglich. In der Regel wird die Naht an der Kniescheibe und dem umgebenden Gewebe angelegt, zuweilen muss diese Naht auch durch eine Drahtschlinge gesichert werden, die nach vollständiger Sehnenheilung wieder entfernt werden kann. Nach der operativen Versorgung wird häufig eine Knieschiene angelegt, die nur eine eingeschränkte Kniebeugung erlaubt, bis eine vollständige Heilung der Sehne erfolgt ist.

 

Knieendoprothetik

Der Kniegelenkersatz zählt inzwischen zu den erfolgreichsten orthopädischen Operationen. Mit diesem Eingriff verfolgen wir das Ziel, eine schnelle und vor allem schmerzfreie Rückkehr der Patienten in ihren Alltag oder Beruf zu ermöglichen. Nach heutigem Standard werden künstliche Kniegelenke entsprechend einem Baukastensystem individuell und patientengerecht angepasst. Die Operation erfolgt in der Regel minimalinvasiv, d.h. gewebeschonend mit kleinstmöglichem Hautschnitt.

Ursachen für den Einbau einer Kniegelenkprothese

Die häufigste Ursache für den Einbau einer Kniegelenkprothese stellt sich bei schweren arthrotischen Gelenkveränderungen. Das bedeutet, dass es zu einer Abnutzung des Gelenkknorpels mit Zerstörung der Gelenkflächen des Kniegelenkes gekommen ist. Des Weiteren können auch Unfälle, Veränderungen bei rheumatischen Erkrankungen, schwerste Bandinstabilitäten und große Knorpeldefekte ein Grund für die Notwendigkeit zum Einbau einer Kniegelenkprothese darstellen.

Prothesensysteme

Je nach Art und Ausmaß der Gelenkzerstörung und Zustand des Bandapparates wird das für den Patienten am besten geeignete künstliche Gelenk ausgewählt: Ist das Kniegelenk isoliert auf einer Seite geschädigt, nehmen wir in der Regel einen Teilersatz des Gelenkes vor. Dieser wird oft auch als „Schlittenprothese“ bezeichnet. Zusätzlich können wir auch das Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkel isoliert endoprothetisch ersetzen. Ist mehr als ein Teil des Kniegelenkes deutlich geschädigt, müssen alle betroffenen Gelenkflächen ersetzt werden. Wir nennen diese Versorgung „totaler Oberflächenersatz“. Eine Ausnahme besteht bei der Kniescheibenrückfläche. Ob diese ebenfalls ersetzt wird, hängt vom Ausmaß ihres Mitbefalles ab. Sehr selten muss bei vollständiger Zerstörung von Knorpel, Knochen und Bändern auf einen achsgeführten Gelenkersatz zurückgegriffen werden.

Stationärer Aufenthalt

Sie lernen Ihren Operateur bereits in unserer Praxis in einer Spezialsprechstunde für Kniegelenkersatz kennen. Es besteht ausreichend Zeit, um alle relevanten Fragen im Vorfeld zu besprechen. Ihr Operateur plant Ihre Operation also mit Ihnen gemeinsam. Am Tag der stationären Aufnahme in unsere Klinik erfolgt dann die spezielle Operationsvorbereitung. Der Aufenthalt in unserer Klinik ist individuell, beträgt in der Regel etwa 7-10 Tage. Am Entlassungstag können Sie selbständig unter Zuhilfenahme von 2 Unterarmstützen auf der Ebene gehen und Treppen steigen. Bereits vor der Operation organisieren wir für Sie eine stationäre oder ambulante Rehabilitationsbehandlung. Wir stehen in engem fachlichen Kontakt zu verschiedenen Kliniken in unserer Umgebung. Sollte Ihrerseits der Wunsch bestehen, steht einer heimatnahen Rehabilitation natürlich nichts im Wege. Nach abgeschlossener Rehabilitationsbehandlung erfolgen regelmäßige Nachkontrollen Ihres „neuen Gelenkes“ in unserer Praxis. Wir realisieren auch Ihre Nachbehandlung gemeinsam.

Minimalinvasives Operieren

Die knieendoprothetische Versorgung erfolgt in der Winghofer Medicum Plus in der Regel minimalinvasiv. Das Ziel minimalinvasiver Chirurgie ist ein möglichst schonendes operatives Vorgehen. Im Fall der Knieendoprothesen kann z.B. Muskulatur geschont werden, indem sie nicht durchtrennt, sondern beiseite geschoben wird. Dazu verwenden wir spezielles Instrumentarium. Vorteile liegen in erster Linie in schnellerer Rekonvaleszenz, geringeren Schmerzen und kürzerer Rehabilitationszeit.

Individuelle Knieendoprothetik

Durch eine deutliche Verbesserung bewährter Operationsverfahren bieten wir unseren Patienten eine individualisierte Kniegelenkendoprothetik an. Dieses neue Verfahren bietet höchste Genauigkeit und Präzision. Bei dieser Methode handelt es sich um ein individuell an die anatomischen Gegebenheiten des Patienten angepasstes Instrumentarium für den Kniegelenkersatz. Vor der Operation wird mit Hilfe eines CT Scans ein 3D-Modell des zu versorgenden Kniegelenks erstellt. An diesem 3D-Modell wird dann die zu implantierende Endoprothese geplant und anhand der anatomischen Landmarken und Achsen genau bestimmt. So können schon vor der Operation alle wichtigen Daten (Größe der Prothese, Rotation, Achsausrichtung, Positionierung der Implantate) bestimmt werden.

Haltbarkeit der Prothese

In aller Regel haben die derzeit implantierten Knieprothesen eine „Überlebenszeit“ von 15-20 Jahren. Nach dieser Zeit kann es zu einem Auslockern der Prothese oder zu einem Verschleiß des Polyethyleninlays kommen. Dann ist eine Revisionsoperation notwendig.

Sport nach Knieprothese

In der Regel können Sportarten, die früher erlernt und über lange Zeit erfolgreich praktiziert wurden, auch mit Knieendoprothese ausgeführt werden. Grundsätzlich sind jedoch Sportarten, bei denen es zu stoßartigen Belastungen oder abruptem Richtungswechsel kommt, zu vermeiden. Im Weiteren sollte auf Sportarten mit unkalkulierbarer Sturzgefahr verzichtet werden.