Hernienzentrum und Krampfadernchirurgie

minimal invasiv, laparoskopisch

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Operationen wegen eines Leistenbruchs sind weltweit die häufigsten Eingriffe in der Allgemeinchirurgie. In Deutschland werden pro Jahr ca. 230.000 Leistenbruchoperationen (Hernioplastik, Hernienreparation) durchgeführt (in den USA sind es etwa 800.000). Hinzu kommen noch etwa 50.000 Eingriffe wegen eines Narbenbruchs nach vorausgegangener Bauchoperation.

 

Ziel der Operation ist heute nicht nur die sichere und dauerhafte Beseitigung der Bruchkrankheit, sondern auch eine möglichst schmerz- und narbenarme Durchführung. Außerdem hat vor allem in den letzten Jahren die rasche Wiederaufnahme der normalen Lebensaktivitäten einschließlich Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess nach der Operation an Bedeutung gewonnen. Lange, schmerzhafte Krankenlager sowie große Wunden mit schwierigen Heilverläufen sind nicht mehr akzeptiert. So hat sich im Laufe der Zeit die minimal invasive Operation auch beim Leistenbruch etabliert, sodass bereits heute in Deutschland 48 % der Patienten in der neuen patientenfreundlichen Technik operiert werden. In nahezu 100 Vergleichsstudien (randomisiert, kontrolliert) zu den offenen, herkömmlichen Verfahren konnten signifikant geringere Schmerzen bei weniger Wundkomplikationen bewiesen werden, sodass die Patienten in der Lage sind, etwa 8-10 Tage früher wieder ihre Arbeit aufzunehmen als die Patienten, die offen mit Schnitt operiert wurden.

Die neue, minimal invasive Technik ist jedoch nicht einfach, man braucht ein vollständig anderes Instrumentarium, neue Sehgewohnheiten (Video-endoskopisch) und eine spezielle Ausbildung. Bei der revolutionären, patientenfreundlichen Technik wird die Leiste nicht mehr aufgeschnitten, sondern der Bruch wird von innen (Bauchhöhle), d.h. von der Seite, von der auch die Belastung kommt, repariert. Im Detail werden am Nabel bzw. in Nabelhöhe über drei kleine Schnitte (zwei 5 mm, ein 7mm) eine Kamera sowie zwei Arbeitsinstrumente in die Bauchhöhle eingeführt. Nach sorgfältiger Bauchspiegelung (ein zusätzlicher Vorteil der Methode – Erkennen von Nebenerkrankungen!) wird das Bauchfell in der Leistenregion eröffnet, der sich nach außen vordrängende Bruch in die Bauchhöhle zurückgeholt, alle Schwachstellen in der Bauchdecke dargestellt und mit einem 10x15 cm großen synthetischen Netz großzügig abgedeckt.

Abschließend wird das Bauchfell wieder verschlossen, sodass kein Kontakt zwischen dem Kunststoffnetz und dem Darm möglich ist. Die Operation wird laparoskopische Hernioplastik oder auch TAPP (Transabdominelle Präperitoneale Patchplastik) genannt, wurde von Prof. Bittner und seinem Team 1993 eingeführt und seitdem vom selben Team bei über 16.000 Leistenbrüchen eingesetzt.

 

Im Hernienzentrum Rottenburg werden auf hohem Niveau qualitätsgesichert Leistenbrüche (inguinal hernias), Bauchwandbrüche (abdominal wall hernias), z.B. Nabelbrüche und Narbenbrüche (incisional hernias), operativ behandelt. Die Qualitätssicherung erfolgt über die HERNIAMED Qualitätssicherungsstudie.

 

In der operativen Therapie der Bauchwandbrüche (Nabel, Narbe) hat auch nach unserer Auffassung die offene Technik noch einen breiten Indikationsraum. In Abhängigkeit von der Lokalisation des Bruches, der Größe des Bauchdeckendefektes und den individuellen Konstanten des Patienten (z.B. Körpergewicht, Risikofaktoren für Infektion) wird entschieden, ob die Operation offen mit Schnitt oder minimal invasiv (laparoskopisch) sowie mit oder ohne Verstärkung der Bauchdecke mit Netz durchgeführt wird.

 

Eine Herausforderung stellen stets Patienten - im Besonderen Sportler- dar, die Schmerzen in der Leistenregion ohne klar erkennbare Hernie haben (Weiche Leiste, Sportlerleiste). Wenngleich hier häufig ein sogenanntes Leistenkanallipom bei erweitertem inneren und äußeren Leistenring die Ursache der Beschwerden ist, muss die Operationsindikation sehr vorsichtig gestellt werden und zunächst andere Ursachen (vor allem orthopädisch) ausgeschlossen werden. Ein interdisziplinäres Diagnostik- und Therapiekonzept ist bei dieser großen Patientengruppe von besonderer Bedeutung.

 

Zwerchfellbrüche (Hiatushernien) mit Beschwerden werden heute nahezu ausschließlich laparoskopisch operiert. Während der Verschluss des Zwerchfelldefektes mit Naht selbstverständlich ist, wird individuell entschieden, ob noch eine Verstärkung der Rekonstruktion mit einem Netz notwendig ist.

 

Moderne Krampfadern(Varizen)-Chirurgie bedeutet nicht die ausschließliche chirurgische Exhairese (das Herausziehen) der zum Teil sackartig erweiterten venösen Blutgefäße über viele mehr oder weniger große Hautschnitte, sondern ein dem Befund angepassten Vorgehen, das neben der direkten Verödung vor allem bestimmte (intraluminäre) Techniken (Radiowellenverschluss) einschließt mit dem Ziel, möglichst wenige und kleinste Hautnarben zu erhalten. Grundlage der sehr differenzierten Operationstaktik ist eine verfeinerte Ultraschalldiagnostik.